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Meine kleine Hommage an….
Was ist eigentlich dein Lieblingsdrink? Ich weiß nicht wie oft mir diese Frage schon gestellt wurde. Seitdem ich jedoch angefangen habe Cocktailkurse zu geben, hat sich die Anzahl wahrscheinlich aber verdoppelt. Ich denke dann meist kurz nach und stelle fest, diesen einen Drink, der den ich am aller liebsten trinke, den gibt es eigentlich gar nicht. Darum komme ich dann auch meist zu der, für meinen gegenüber eher frustrierenden, Antwort: Es komme ganz auf die Situation und die Laune an.
Darum habe ich mir einige Gedanken gemacht und werde mich in den nächsten Wochen einmal mehr mit den Drinks beschäftigen, die ich so nach längerem überlegen, doch ganz gerne trinke. Kommen wir heute zu einem Cocktail, den ich vor allem, weil die letzten Tage so schön sonnig waren, gerne im Sommer bevorzuge. Einem Urgestein der Bar und keinem geringeren als dem Daiquiri.
Ich könnte nun tief in der Geschichte der Cocktails wühlen und vom Ursprung, der ersten schriftlichen Erwähnung 1914 usw. erzählen. Doch ich möchte hier etwas ganz anderes mitteilen, nämlich meine Geschichte mit dem Daiquiri.
Dazu sollten wir 11 Jahre zurück gehen, 2009, was war das für ein Jahr, Barack Obama wurde der erste afroamerikanische Präsident, der VFL Wolfsburg wurde das erste Mal Deutscher Meister der Fußball Bundesliga und der King of Pop Michael Jackson verstarb. Ach ja und ich trank meinen ersten Daiquiri. Es war ein Freitagabend und ich war mit meinem Bruder unterwegs. In dem kleinen beschaulichen Städtchen im Süden Sachsens, bekannt für seine Plauener Spitze aber sicherlich nicht für seine bar- geschweige denn Cocktailszene. Und doch sagt ich zu meinem Bruder: „Heute möchte ich einen Cocktail probieren“. Da ich mit meinen zarten 18 Jahren noch lange kein Gespür für Cocktails und meinen eigenen Geschmack hatte, vertraute ich dabei zu 100% auf den Rat meines älteren Bruders und bestellte mir also einen Daiquiri, denn so sagte er: „[…] das ist ein Klassiker, damit machst du nix falsch!“
Heute 11 Jahre und eine Vielzahl an Daiquiris später, kann ich nicht mehr sagen wie er gemacht war, welche Spirituosen verwendet wurden oder ob er auf den Punkt war. Alles an was ich mich noch erinnern kann ist, dass mir dieser Cocktail aus Rum, Limette und Zucker so gar nicht in meinen jugendlichen Geschmack gepasst hat.
Es musste etwas Zeit ins Land ziehen, ich ging studieren, ich brach mein erstes Studium ab, fing ein zweites an, traf neue Freunde und so kam es das wir immer öfters in Bars gingen und in jeder Bar in der wir waren stand er auf der Karte, nicht immer gleich ersichtlich, manchmal etwas versteckt, aber irgendwie immer präsent. Doch auch zu dieser Zeit war es noch immer nicht der Drink, der er heute für mich ist. Zu dieser Zeit waren es die Bahama Mamas und Gin Tonics, die mich durch die Nacht trugen.
Als ich schließlich neben meinem Studium in der Gastronomie zu arbeiten begann, da traf ich dann diesen großen Typen, er war etwas steif, seine Bewegungen sehr akkurat. Er machte Cocktails, an der Bar in dem Garten der Studentenkneipe in der ich in der Küche aushalf und am Wochenende manchmal Essen zubereitete. Es blieb nicht aus, dass man sich so, des öfteren am Tresen gegenüberstand und je länger der Sommer dauerte desto mehr faszinierte mich die Arbeit an der Bar. Eines Abends, ich hatte eher Feierabend, da setzte ich mich an die Bar und blätterte in der Barkarte, Victor’s Pharmacy & Speak Easy, Sound is in-side you! – Ein Exemplar dieser Karte steht tatsächlich noch in meinem Bücherregal – Da saß ich also und was ich dort las waren Cocktails von denen ich in meinem Leben noch nie gehört habe, aber auch der Daiquiri. Doch eh ich mich entscheiden und irgendwas bestellen konnte, war dieser große Barkeeper da und fragte mich nach meinem Abend. Was ich noch vor hätte, wie meine Stimmung sei und was ich gerne für Spirituosen mag. Ich antwortete und er ging zurück zur Bar. Kurze Zeit und einigen rhythmischen krach später bekam ich einen Cocktail. Serviert in einer Coupette, fein texturiert und mit einer dünnen Schaumschicht auf der Oberfläche. Ich wollte gerade den ersten Schluck nehmen, als ich unterbrochen wurde. Der Barkeeper war wieder gekommen, Ich war etwas unsicher wie ich mich verhalten sollte also sagte er mir ich solle zuerst etwas an dem Drink riechen, der Duft von Limette durchströmte meine Nase und der erste Schluck schlug ein, wie eine Bombe. Der frische Geschmack von Limette war überwältigend, getragen von weißem Rum und balanciert mit etwas Süße- dieser Drink wie eine Offenbarung. Während ich noch wollkommen geflasht mit dem Eindrücken des Cocktails zu kämpfen hatte, erklärte mir mein Gegenüber was er denn da zubereitet hatte und woher der Drink denn stamme. Da ich nur die Hälfte der Informationen verarbeiten konnte, fragte Ich also nach was denn das für ein Cocktail sei. Es war ein Daiquiri und der Beginn von etwas, was mich seitdem nicht mehr losgelassen hat, ich wurde süchtig nach dem Zauber der Bar.Ein halbes Jahr und einige Besuche bei dem großen Mann später, fragte er mich ob ich nicht gerne mit ihm zusammenarbeiten möchte. So begann meine Zeit an der Bar, aber das ist eine andere Geschichte.
Springen wir etwas in die Zukunft ins Jahr 2014. Ich arbeitete schon eine Weile in der Bar. Es war mein erster BCB (Bar Convent Berlin) und mein Bar Mentor und ich gingen gemeinsam auf eine Bartour. Es war mein erster Besuch im Beckets Kopf und nach einem Drink aus der Karte bestellte ich mir als zweiten Drink einen Daiquiri. Er war phantastisch, aber bei weitem frischer und fruchtiger als alle die ich davor zubereitete, geschweige getrunken habe. Auf meine Frage hin, woher dieser extreme Fruchtkick denn komme erwiderte mir der Barkeeper am Tresen, von Wary & Nephew, einem Overproof Rum. Das war er also mein erster Overproof Daiquiri, zurück im beschaulichen Städtchen in Thüringen, nahm ich mir die Flasche Wray & Nephew aus dem Rückbufffet, sammelte alle Informationen, die ich zu diesem Rum finden konnte und arbeitee daran den im Kopf gespeicherten Geschmack zu reproduzieren.Heute 6 Jahre nach diesem Ereignis und einige Cocktails später steht für mich der Daiquiri wie kein anderer Cocktail für den Drink mit dem man einen Abend voller Spaß beginnen sollte. Doch wie jeder Klassiker ist auch der Daiquiri ein Drink, für den jeder Barkeeper sein perfektes Verhältnis von Süße, Säure und Kraft entwickelt. Ich bin nicht derjenige, der sagt so sollte der perfekte Daiquiri gemacht werden. Gern nehmt euch mein Rezept als Ausgangspunkt und spielt mit den Verhältnissen der einzelnen Komponenten.
-develop your taste-
5,0 cl Plantation 3 Stars White Rum
Mein perfekter Daiquiri
0,5 cl Wray & Nephew White Overproof
2,7 cl Limettensaft
2,0 cl Zuckersirup
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